Wenn der Wunsch nach Familie zur Odyssee wird…

5. November 2019

Wenn der Wunsch nach Familie zur Odyssee wird

Für viele Menschen ist es eine Selbstverständlichkeit: Verliebt, verlobt, verheiratet, gemeinsames Nest bauen und dann kommt der Nachwuchs. Oder auch in anderer Reihenfolge.

Für andere (laut Statistik jedes fünfte Paar mit Kinderwunsch), ist es leider nicht so einfach. Wenn das Kind nicht so kommt wie geplant, macht sich Verzweiflung, aber auch Ratlosigkeit breit. Was tun? Hier eine informative Übersicht von einer, die das alles erlebt hat.

Der erste Schritt: Zyklus kontrollieren und zum Arzt

Wenn sich nach fünf bis sieben Zyklen keine Schwangerschaft einstellt, dann ist es sinnvoll, eine Gynäkologin aufzusuchen bzw. das Thema im Rahmen der (halb)jährlichen Vorsorgeuntersuchung aufzubringen. Im Vorfeld ist es aber schon wichtig, den eigenen Zyklus zu beobachten, um sicherzugehen, dass man die fruchtbaren Tage des Monats nicht verfehlt.

Im nächsten Schritt sollten sich sowohl Frau als auch Mann auf ihre Fruchtbarkeit hin untersuchen lassen.

Viele Kleinigkeiten, wie Nährstoffmangel oder hormonelle Probleme, lassen sich schon bei dieser ersten Untersuchung finden und beheben.

Lässt sich bei einer einfachen Untersuchung kein Grund für den unerfüllten Kinderwunsch finden, dann zahlt es sich aus, eine Kinderwunschklinik aufzusuchen.

Unterstützung in einer Kinderwunschklinik

Leider sind die meisten dieser Kliniken in Wien (mit Ausnahme der entsprechenden Stelle am AKH) privat zu zahlen. In der Klinik wird auf eine Vielzahl von bekannten Fruchtbarkeitsproblemen getestet, in vielen Fällen kann geholfen werden. Im einfachsten Fall können hormonelle Störungen (wie z.B. Hashimoto-Thyreoiditis) gefunden und behandelt werden.

Wenn es sich um komplexere Probleme handelt

Wenn beim Mann langsame oder immobile Spermien entdeckt werden, dann kann im Rahmen eine Insemination, bei der die Spermien mit Hilfe einer Kanüle direkt zum Muttermund gebracht werden, auf minimal invasive Art und Weise die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung erhöht werden. Bei schwereren hormonellen Störungen, wie z.B. Endometriose oder polyzystischem Ovarsyndrom, wird die Klinik eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) vorschlagen.

Hormonelle Unterstützung

Dabei wird ein Zyklus hormonell unterstützt, um die Bildung von für die Befruchtung idealen Follikeln zu unterstützen, die dann entnommen und auf einem Nährmedium mit den Spermien des Mannes befruchtet werden. Nach ein paar Tagen Entwicklungszeit werden eine bis zwei befruchtete Eizellen wieder eingesetzt. Es handelt sich bei der IVF um einen nicht zu vernachlässigenden Eingriff in den Hormonhaushalt der Frau, was man bei der Entscheidung dafür bedenken sollte. Allerdings ist der minimale Eingriff heutzutage sehr sicher und führt mit etwa der gleichen Wahrscheinlichkeit zu einer Schwangerschaft, wie es auf dem natürlichen Weg üblich ist.

Weitere Methoden der Schwangerschaftsanbahnung

Wenn es auch mit der IVF nicht klappt, dann stehen nicht mehr allzu viele legale Methoden zur Verfügung. Bei vererblichen genetischen Erkrankungen, die zu einem Abbruch der Schwangerschaft führen oder das Kind so schwer beeinträchtigen, dass es keine Überlebenschancen hat, stehen in Österreich die Möglichkeiten der Polkörperdiagnostik (PKD) und der Präimplantationsdiagnostik (PID) zur Verfügung.

Durch die Untersuchung der Polkörperchen einer durch IVF befruchteten Eizelle, kann festgestellt werden, ob die genetische Erkrankung (mütterlicherseits) vorhanden ist oder nicht, sodass nur gesunde Eizellen eingesetzt werden.

Bei der PID wird  direkt das genetische Material des Embryos untersucht, bevor er im Rahmen einer IVF eingesetzt wird. Die PID ist allerdings in Österreich nur in ganz bestimmten Fällen erlaubt, wie z.B. mehreren Totgeburten nach IVFs bzw. schweren genetischen Erkrankungen eines Elternteils.

Andere Techniken der künstlichen Befruchtung, wie Eizellspende und Leihmutterschaft, sind in Österreich nicht legal, da sie schwierige ethische Fragestellungen aufwerfen, die momentan nicht zufriedenstellend  beantwortet werden können.

Wenn es also gar nicht klappt mit dem (genetisch) eigenen Kind

Vier IVF-Versuche werden vom IVF Fonds (finanziert von Bundesministerium und Krankenkassen) gezahlt. 30 % der Kosten müssen selbst getragen werden (das sind ca. 1.000.-€ pro Versuch). Jeder weitere Versuch muss in ganzer Höhe privat gezahlt werden. Dabei muss man sich auf Kosten von etwa 4.000.-€ gefasst machen. Das ist ein ziemlich heftiger Brocken Geld, weshalb die meisten Paare nach vier Versuchen aufgeben. Aber das heißt noch lange nicht, dass diese Paare deshalb keine Familie haben werden.

Es gibt nicht allzu viele Kinder in Österreich, die zur Adoption freigegeben werden, die Wartezeiten können je nach Region, in der man lebt, recht langwierig ausfallen. Denn leider ist die Adoption in Österreich bundesländer- bzw. bezirksweise organisiert, man muss also darauf warten, dass im eigenen Heimatbezirk ein Kind zur Adoption freigegeben wird. (einzig in Wien werden Kinder stadtweit vergeben).

Adoption ist eine weitere Möglichkeit

Fast ausschließlich Neugeborene oder sehr kleine Babies werden zur Adoption freigegeben, wenn sich die Eltern aus verschiedensten Gründen nicht in der Lage sehen, für ihr Kind zu sorgen (Waisenkinder werden meist innerhalb der eigenen Familie weiter versorgt, daher werden Kinder hauptsächlich zur Adoption freigegeben, wenn sich die leiblichen Eltern sich dazu entscheiden). Zukünftige Adoptiveltern müssen eine Anzahl von Kriterien erfüllen (verheiratet oder in einer eheähnlichen Beziehung; stabiles Einkommen und passender Wohnraum) sowie über Persönlichkeitsmerkmale verfügen, die sie auszeichnen als fähig, für ein Kind zu sorgen.

Sie absolvieren eine Ausbildung, durchlaufen einen längeren Behördenweg und sind anschließend am Jugendamt als adoptionswillig vorgemerkt.

Kinder können erst nach ihrer Geburt zur Adoption freigegeben werden.

Gibt eine Mutter ihr Kind frei, dann wird am Jugendamt beratschlagt, welche adoptionswillige Familie am besten zu dem Kind passt. Familiäre Vorgeschichten, ethnische Zugehörigkeit, aber auch eventuelle Wünsche der freigebenden Mutter werden dabei berücksichtigt.

Sobald die Wahl auf eine Familie gefallen ist, wird diese telefonisch verständigt – und muss so rasch wie möglich zu ihrem zukünftigen Kind kommen. Somit wird man durch Adoption immer sehr plötzlich und unerwartet zu Eltern.

Wenn die Adoption nicht klappt

Klappt es mit der Adoption nicht, so kommt auch die Aufnahme eines Pflegekindes in die Familie in Frage. Auch dazu durchläuft man eine Ausbildung (im Gegensatz zu der für Adoptiveltern ist die Ausbildung für Pflegeeltern gratis) sowie ein behördliches Prozedere. Pflegekinder können über kürzere oder längere Zeiträume bei ihrer Pflegefamilie bleiben, in jedem Fall besteht, sofern die leiblichen Eltern daran Interesse zeigen, die Pflicht, Besuchstermine mit den leiblichen Eltern einzuhalten.

Diese finden am Jugendamt oder einer ähnlichen Einrichtung statt.

Entscheidet das Gericht für eine Dauerpflege, dann stehen die Chancen gut, dass das Kind bis zum Erwachsenenalter in der Pflegefamilie bleibt.

Für Familien, die stressresistent sind und sich auch kurze Pflegezeiten vorstellen können, kommt auch die Krisenpflege in Frage. Dazu werden Kinder, die dringend aus einer schwierigen Lebenssituation herausgeholt werden müssen, für wenige Tage bis Wochen aufgenommen, bis das Gericht entscheidet, wie es weitergeht.

Diese Form erfordert viel Stressresistenz und Einfühlungsvermögen für die meist traumatisierten Kinder. Gleichzeitig muss es aber auch klar sein, dass das Kind nicht für ewig Teil der Familie sein wird.

Kommt keine dieser Formen, eine Familie zu gründen, in Frage, dann kann man kinderlosen Paaren noch wünschen, dass sie Geschwister mit Kindern haben, denen sie liebevolle Tanten und Onkel sein dürfen. Diese Rolle ist eine äußerst wichtige – „it takes a village to raise a child“.

Wichtige Adressen:

  • EFKÖ – Verein Eltern für Kinder: Bietet Informationen sowie die Ausbildung zu Pflegeeltern an.
  • MA G ELF– „Kinder- und Jugendamt“: Alles rund um die Pflegeelternschaft.
  • Österreichische IVF-Gesellschaft: Liste der Kinderwunschkliniken in Österreich sowie Infos zu IVF & Co.

 


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