Was macht eine Doula? – Unterschied zur besten Freundin

8. November 2019

Was ist eine Doula? – Geburtsbegleitung auf Augenhöhe Teil 2

Worin unterscheidet sich eine Doula von einer bester Freundin und wie kann ich mir den Ablauf der Begleitung und der Treffen vorstellen?

Steht eine Doula, wie eine Hebamme, auf Abruf bereit?

Birgit Steininger: Ja, zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin bin ich auf Rufbereitschaft, habe das Handy Tag und Nacht eingeschaltet und organisiere meine privaten Termine, sodass ich jederzeit kommen kann.

Wann ist der beste Zeitpunkt um den Erstkontakt mit einer Doula aufzunehmen?

Birgit Steininger: Der Erstkontakt ist auch schon am Beginn der Schwangerschaft möglich. Regelmäßige Treffen finden ca. ab der 34. Schwangerschaftswoche statt. So bleibt noch genug Zeit um sich kennen zu lernen und ein freundschaftliches Verhältnis aufbauen zu können. In der Schwangerschaft ist auch noch genug Zeit um auszuprobieren, was der Frau gut tut, welche Massagen oder Aromaöle der werdenden Mutter gut tun.

Wie oft trifft man sich und wie kann ich mir ein Treffen vorstellen?

Was ist eine Doula? – Geburtsbegleitung auf Augenhöhe Teil 2

Birgit Steininger: Je nach Bedarf der Frau, aber mindestens drei Mal vor der Geburt. Ich bin jedoch auch da, wenn die Frau gerade eine emotionale Phase hat, in der sie weiblichen Anspruch benötigt, auch am Telefon. Auf Wunsch gehe ich auch gerne zu Voruntersuchungen und Arztbesuchen mit, oder das Krankenhaus anschauen.

Wenn mein Feedback gefragt ist, muss jedoch immer klar sein, dass das meine private Meinung ist und die endgültige Entscheidung bei der Frau liegt. Ebenso darf ich keine medizinischen Ratschläge geben, auch bei vorgeburtlichen Untersuchungen nicht!

Ein weiterer Schritt bei der Vorbereitung auf die Geburt ist z.B. der Geburts-Wunschbrief.

Einige nennen ihn auch Geburts-Plan, aber da sich eine Geburt ja nicht wirklich planen lässt, trifft die Bezeichnung Wunsch-Brief eher zu.

Hier kann die Frau unter anderem niederschreiben, wer aller dabei sein darf, ob sie medizinischen Eingriffen im Notfall zustimmt oder nicht, welche Musik sie mitnehmen möchte oder ob sie während der Geburt das eigene Gewand anhaben möchte. Dieser kann anschließend auch dem Geburtspersonal gezeigt und mit ihnen gemeinsam besprochen werden. Meine Aufgabe ist es den Frauen auch eine Idee von den verschiedenen Möglichkeiten zu geben, die es gibt.

Es geht also auch um eine bewusstere Vorbereitung?

Was ist eine Doula? – Geburtsbegleitung auf Augenhöhe Teil 2

Birgit Steininger: Genau! Oft werden die eigenen Bedürfnisse erst durch das Nachfragen und offene Ansprechen wahrgenommen. Manchmal denken sich die Frauen „ich fühle mich jetzt schlecht, aber das darf eigentlich nicht sein“.

Egal was gerade da ist, es darf sein, das ist sehr wichtig. Denn erst wenn ich mir selbst meine Gefühle und Bedürfnisse erlaube, sind sie nicht mehr abgeschnitten von mir und ich komme viel besser in Kontakt mit meiner eigenen Kraft.

Ich durfte z.B. eine Frau begleiten, deren Mutter sie selbst unter großen Schmerzen und Todesängsten auf die Welt gebracht hatte. Diese Geschichte hörte die Frau oft in ihrem Leben und hatte nun verständlicherweise Angst vor der Geburt ihres eigenen Kindes. Ich habe ihr zugehört und konnte viele ihrer Ängste lindern. Unter anderem schrieben wir einen Geburts-Wunsch-Brief. Ich durfte ihren Bauch bemalen und sie zur Entspannung mit dem Rebozo-Tuch massieren.

Unser Kontakt war sehr heilsam. Ich habe sie z.B. gefragt mit welcher Musik wir das Baby willkommen heißen sollen und sie meinte, „Wow, das klingt ja voll schön!“ Bis dahin lag der Fokus mehr auf den Geburtsschmerzen, aber nach unserer gemeinsamen Zeit überwog die Freude auf das Baby.

Sie hatte tatsächlich dann eine sehr schöne Geburt und war überrascht wie gut sie mit den Wehen klar gekommen ist.

Was unterscheidet die Doula von der besten Freundin?

Birgit Steininger: Oft sind die eigenen Angehörigen oder Freunde einfach überfordert, weil sie selber aufgeregt sind oder noch nie eine Geburt miterlebt haben. Aber es kann natürlich auch die beste Freundin als Doula fungieren, wenn sich beide damit wohlfühlen.

Neben unserem Wissen über die Geburt, kennen wir auch verschiedene Entspannungstechniken, wie z.B. die Massage mit dem Rebozo-Tuch, oder angenehme, unterstützende Positionen auf dem Pezziball, mit und ohne Tuch. Das Rebozo-Tuch kommt ursprünglich aus Mexiko, ist 70-80 cm breit und reicht vom Becken bis zu den Schultern. Die Frau wird in das Tuch eingewickelt und gehalten. Das fühlt sich an wie in einem Kokon, man spürt sich selbst einfach viel besser.

Das klingt nach Halt für die Frau, in einer Situation in der sie selbst Halt benötigt!

Birgit Steininger: Ja, das Tuch wird um die Frau gelegt und diese wird dann leicht geschüttelt. Vor allem im Beckenbereich tut die Rebozo-Massage während den Wehen sehr gut, da sie die Entspannung fördert. Es gibt z.B. auch eine Position, wo der schwere Bauch mit dem Tuch gehalten wird.

Sind die meisten Doulas selbst Mütter?

Birgit Steininger: Ja, genau! Es ist mittlerweile kein Kriterium mehr, man darf auch Doula werden, wenn man noch keine eigenen Kinder hat, aber es ist natürlich von Vorteil, weil man alles schon selbst erlebt hat und weiß, wovon man spricht. Ich habe zwei Töchter, meine Jüngste ist 19 Monate alt und die ältere ist im April 4 Jahre alt geworden. Ich hatte bei meiner ersten Geburt selbst eine Doula. So konnte ich die Doula auch in der Rolle der Gebärenden erleben.

 


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